Veröffentlicht im Dezember 2021-Kategorie: Programm Featured-Schlagwörter: , -

Aseka ist ein großer Tel, der 140 Meter aus dem Grund des Elahtales herausragt; er liegt ca. 40 km westlich von Jerusalem in der Schefela, dem 300–400 m hohen Hügelland zwischen der Mittelmeerküste und dem judäischen Bergrücken. Aseka begegnet sieben Mal in der Bibel, v.a. als Schauplatz von Kriegen zwischen den Kanaanäern und den Philistern mit den Israeliten, bes. 1 Sam 17,1 als der Ort, wo David Goliath besiegt haben soll. Aseka tauchte auch in außerbiblischen Schriften auf: Es wird in einem „Brief“ aus dem Jahr 701 von Sanherib an den Staatsgott Assur beschrieben „wie ein Dolch im Lande“, „wie ein Adlerhorst“, der in den Bergen liegt und bis in den Himmel hinaufragt. Es wurde aber 701 dennoch von den Assyrern eingenommen, geplündert und zerstört. In einem der Lachisch-Ostraka aus dem Jahr 586 heißt es später angesichts des vorrückenden babylonischen Heeres: „Wir können die Feuerzeichen von Aseka nicht mehr sehen“ (KAI II, 196f.).

Aseka war der erste Ort außerhalb Jerusalems, an welchem in der Neuzeit eine archäologische Groß-Grabung durchgeführt wurde, allerdings mit wenig entwickelten Methoden und Techniken. Die Erstausgräber kamen 1898/99 zu dem Resultat, dass in Aseka nicht viel überlebt hätte, und gaben den Ort nach wenigen Monaten wieder auf. Prof. Dr. Oded Lipschits (Tel Aviv) und ich haben die Erforschung des eindrucksvollen Ruinenhügels seit 2012 wiederaufgenommen. Wir haben rund um den Tel bislang zehn Sondierungsareale geöffnet und z.T. schon bis auf den gewachsenen Felsen hinabgetrieben. Jedes Jahr kommen für vier bis fünf Wochen jeweils ca. 100 Helfer mit einem Team von Experten an diesen Ort.

Natürlich arbeiten wir mit den aktuellen Methoden wie z.B. der geoelektrischen Introspektion (durch die Heidelberger Kollegen Prof. Bubenzer und Dr. Hecht) und einem systematischen Survey; und mit modernen Instrumenten wie hochsensiblen Metalldetektoren und Analysetools wie der C14-Radio-Carbon-Methode, der Lumineszenzanalyse der Terrassenanlagen und der Mauern, der spektrometrischen Rückstandsanalyse von Gefäßen, paläobotanischen Pollenanalysen, der Analyse der Tierknochen und Fischgräten oder der metallurgischen Untersuchungen. Heutige Archäologie macht sich viele Elemente der Naturwissenschaft zu Nutze. Das Projekt ist nicht nur hochgradig interdisziplinär, sondern auch international. Im Konsortium der beteiligten Universitäten befinden sich neben Oldenburg und Tübingen die Karls-Universität Prag, die University of Iowa, die Macquary University Sidney und die King University in Bristol. Das Projekt ist auf 15 Kampagnen angelegt. Die Manfred-Lautenschläger-Stiftung hat die Zusage gegeben, die Grabung bis 2023 mit jährlich 50.000 Euro zu fördern.

Bisherige Ergebnisse

Unsere Resultate sind jetzt schon ganz anders als die um 1900. Es hat sich gezeigt: In Aseka ist Vieles erhalten und manches sehr Wertvolles konnte schon geborgen werden.

Die Besiedlungsphasen konnten ziemlich umfassend abgesichert werden, so dass die Geschichte des Ortes von 1600 vor bis 150 n. Chr. Zug um Zug ans Tageslicht kam. Zwei Resultate waren allerdings sehr unerwartet: Zu der Zeit, in der David gelebt hat (das Ende der Eisenzeit I), war Aseka nicht besiedelt! Und Aseka war in der Perserzeit ein sehr reich besiedelter Ort. 

Bislang (Stand: 2020) sind etliche Aufsehen erregende Funde freigelegt worden, vor allem aus der Mittel- und Spätbronzezeit (z.B. eine vorzüglich erhaltene Lehmziegelmauer, ein Tempelareal mit einer Mazzebe [heiliger Stein] und einer Baal-Figur aus Bronze, ein Zylinder-Rollsiegel, Schmuckschatulle, ein palastartiger Bau mit Unmassen an wertvoller Keramik, Figurinen und Amuletten), aber auch ein Stadttor aus der Zeit der Eisenzeit II, eine regelrechte Kleinindustrie aus der Perserzeit und ein massiver Wachturm aus der römischen Epoche. Die Erforschung der assyrischen Belagerungsrampe war von der German-Israeli-Foundation mit 180.000 Euro gefördert worden und bildete von 2017–2019 ein Zentrum. Leider haben wir keine Belagerungsmaschinen finden können (vielleicht aber das belagerte Stadttor, was noch weiter geklärt werden muss). Wenn die Coronakrise es wieder zulässt, werden weitere Forschungen das Bild verfeinern und abrunden sowie neue großartige Funde hervortreten lassen. Eine Analyse der zahlreich gefundenen Münzen steht ebenso auf dem Forschungsprogramm wie die Freilegung des Wassersystems (das schon monumentale Bauelemente preisgegeben hat), das ausgedehnte Höhlensystem und der Friedhof. Die bisher schon sehr ansehnlichen Publikationen und Qualifikationsarbeiten werden in der Veröffentlichung der umfassenden Grabungsberichte ihren Höhepunkt finden.